Der Beruf des Rettungsfahrers in Italien zeichnet sich durch einen regulatorischen Vulnus aus, die ihn vom Rest Europas unterscheidet, wo Ausbildung und berufliche Rahmenbedingungen homogen sind. In Italien gibt es keinen nationalen Vertrag, aber auch die Kompetenzen und Anforderungen im gesamten Gebiet sind nicht einheitlich geregelt. Einige neuere Regulierungsinitiativen unterstreichen jedoch die Notwendigkeit, die berufliche Rolle des Rettungsfahrers klar zu definieren.

Der Rettungsfahrer in Italien

Es gibt 21 Regulatorische Systeme für Rettungsfahrer, ebenso viele wie regionale Gesundheitsdienste. Hinzu kommen die autonomen Provinzen Trient und Bozen.

Jede Region standardisiert und regelt auf unterschiedliche Weise das an die Rufnummer 118 gebundene Rettungssystem, wobei in Abhängigkeit von den Gepflogenheiten und dem im Gebiet vorhandenen bürgerschaftlichen Engagement mehr oder weniger an die ehrenamtliche Arbeit, an private oder öffentliche Stellen delegiert wird.
Diese Diversifizierung ist in gewisser Weise ein rein italienischer Wert, der jedoch auch Unsicherheiten und Fehler erzeugt, die sich auf den Endnutzer übertragen können.
Während die Zahl der Ärzte und Krankenschwestern durch einen nationalen Arbeitsvertrag geregelt wird, der italienweit gültige Rechte, Pflichten und Ausbildungen festlegt, gibt es bei Rettungsfahrern eine Ungleichbehandlung.

Arbeitsverträge und Tätigkeitsbeschreibung

Der Rettungsfahrer ist in zwei verschiedenen Beschäftigungskontexten tätig: im öffentlichen Bereich und im privaten Sektor. In beiden Kontexten gibt es bisher keinen Referenzvertrag, der die Kompetenzen und Tätigkeitsbeschreibung festlegt. Zwei Regionen, Venetien und Aostatal, haben das Berufsbild des Rettungsfahrers konkret geregelt, aber das ist für den Rest Italiens nicht bindend. Vor kurzem hat eine Gesundheitsbehörde in der Provinz Vicenza, in der Region Venetien, Krankenschwestern das Fahren von NEFs anvertraut, was einige Kontroversen auslöste. 

Die Ausbildung

Die Ausbildung eines Rettungsfahrers ist in Bezug auf Thematik und Dauer variabel, was unvermeidliche Folgen für die Einheitlichkeit der Dienstleistungen für den Patienten zur Folge hat, denn dieser kann je nach italienischer Region, in der er sich befindet, hierdurch eine unterschiedlich qualifizierte Erste-Hilfe und Versorgung erhalten.
In verschiedenen Situationen wird die Grundversorgung durch Rettungsdienste ohne medizinisches Fachpersonal (Arzt, Krankenschwester) an Bord geleistet. Entsprechend wichtig ist es, dass der Rettungsfahrer über ein fundiertes Wissen im Bereich der Ersten Hilfe verfügt, um zu wissen, wo und wie er im Bedarfsfall eingreifen kann. Dies gilt beispielsweise für den richtigen Einsatz von atraumatischen Medizinprodukten bei Verletzungen des Bewegungsapparates.

Die Gesetzesinitiativen

Das regulatorische Vakuum nimmt kritische Ausmaße an und die Branchenverbände AASI (Italienischer Rettungsfahrerverband), COES (Nationaler Verband der Rettungsfahrer), FASI (Verband der italienischen Rettungsfahrer) fordern seit Jahren ein Eingreifen.

Im Moment sind im Senat zwei Gesetzesentwürfe hinterlegt, einer von Senator Rizzotti (Forza Italia), der im März 2018 präsentiert wurde, und einer von Senatorin Marinello (M5S) vom März 2019.
Beide werden aktuell vom engeren Ausschuss der Hygiene- und Gesundheitskommission bewertet, in der Hoffnung, dass Anfang 2022 ein einheitlicher Gesetzentwurf vor Gericht gehen kann. Die Einigung wurde in der vorangegangenen Legislaturperiode erzielt, als ein ähnlicher Gesetzentwurf von einer PD-Senatorin vorgelegt wurde.
Was sieht der Gesetzentwurf von Marinello vor? Vor allem die volle Anerkennung des Berufsbilds des Rettungsfahrers und die Identifizierung von acht Punkten in Artikel 1, in denen dessen ausschließlichen Kompetenzen angegeben werden, die am Ende einer Ad-hoc-Berufsausbildung und einem dem Rettungsfahrer damit einhergehenden abschließend ausgehändigten Qualifikationszertifikat erlangt werden.

Einhergehend mit dem Fahren von Rettungsfahrzeugen mit akustisch und blinkendem Alarm muss der Fahrer:

  • die Leistungsfähigkeit und Sicherheit des anvertrauten Rettungsfahrzeugs sicherstellen;
  • die korrekte Anwendung aller an Bord befindlichen Medizinprodukte kennen;
  • Kenntnisse im Umgang mit Funktelefonkommunikation und computergestützten Kommunikationssystemen haben;
  • im Lesen von Landkarten geschult sein und Kenntnisse in der Anwendung der Navigations- und Globalen Positionsbestimmungssystemen (GPS) aufweisen;
  • die Kommunikation mit der Einsatzzentrale 118 und anderen Rettungsfahrzeugen sowie mit der Notaufnahme des Krankenhauses managen;
  • gestische und Licht-Kommunikation mit dem Rettungshelikopter erfüllen;
  • an den Erste-Hilfe-Maßnahmen in den verschiedenen Stadien ihrer Ausführung mitwirken.

Die an die Regionen delegierte Schulung hat eine Gesamtdauer von 1.000 Stunden, aufgeteilt in 300 Stunden Theorie, 400 Stunden Praxis und 300 Stunden Praktikum.

Eine Übergangsregelung sieht eine Ausnahme vom Besuch der Schulung für diejenigen Kräfte vor, die zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des Gesetzes mindestens 2.000 Dienststunden als Rettungsfahrer ausgeübt haben.

Ein hochkarätiges Berufsprofil der Rettungskraft

Wie aus dem Gesetzentwurf hervorgeht, käme dies der Anerkennung eines hochkarätigen Berufsprofils der Rettungskraft gleich, die nicht nur mit dem Fahren im Notfalltransport betraut wäre, sondern auch mit der Koordination des Transports an sich und insbesondere die Verantwortung für den Rettungswagens und dessen Besatzung tragen würde.

Der Rettungsfahrer muss über umfassende Kenntnisse der Medizinprodukte an Bord des Rettungswagens verfügen und das Gesundheitspersonal in jeder Hinsicht unterstützen.
In der Praxis ist dies eine Rolle, die viele Fahrer bereits abdecken, jedoch mit gültiger Anerkennung im gesamten italienischen Hoheitsgebiet und der Beseitigung der gelegentlich auftretenden Grauzonen, im Rahmen derer die Verwaltung des Fahrzeugs unzureichend geschultem Personal anvertraut wird, um den Rettungsdienst leisten zu können.